Riesenslalom
Der Riesenslalom – in Österreich meist Riesentorlauf oder kurz RTL genannt – ist eine technische Disziplin des alpinen Skirennsports. Gemeinsam mit dem Slalom gehört er zu den technischen Wettbewerben. Die Tore stehen weiter auseinander als im Slalom, aber enger als im Super-G. Dadurch entstehen längere Kurven, höhere Geschwindigkeiten und ein flüssigerer Rhythmus.
Gefordert sind eine präzise Linienwahl, hoher Kantendruck und die Fähigkeit, Geschwindigkeit über mehrere aufeinanderfolgende Kurven zu erhalten. Im internationalen Rennsport wird ein Riesenslalom normalerweise in zwei Durchgängen ausgetragen. Die Zeiten beider Läufe werden addiert.
➡ Der Riesenslalom verbindet technische Kurvenarbeit mit höherem Tempo und langen, kraftvollen Schwüngen.
Was ist ein Riesenslalom?
Beim Riesenslalom müssen die Rennläufer einen durch Tore vorgegebenen Kurs möglichst schnell durchfahren. Die Tore bestehen aus Kippstangen und rechteckigen Torflaggen beziehungsweise Panels. Sie sind abwechselnd rot und blau markiert.
Im Vergleich zum Slalom sind die Abstände größer. Dadurch müssen die Athleten weniger kurze Richtungswechsel fahren und können mehr Geschwindigkeit aufbauen. Gegenüber Super-G und Abfahrt bleibt der Kurs jedoch enger und technisch stärker durch die Torfolge bestimmt.
Der Riesenslalom ähnelt mit seinen geschnittenen, mittleren bis langen Kurven stärker dem sportlichen Carven auf der Piste als ein Slalomrennen. Die Belastungen, Geschwindigkeiten und Anforderungen eines Rennkurses liegen dennoch deutlich über dem normalen Freizeitskilauf.
Riesenslalom und Riesentorlauf: Gibt es einen Unterschied?
Riesenslalom und Riesentorlauf bezeichnen dieselbe alpine Skidisziplin. In Deutschland und der Schweiz wird überwiegend der Begriff Riesenslalom verwendet. In Österreich ist die Bezeichnung Riesentorlauf verbreitet. Die häufig verwendete Abkürzung lautet RTL, international wird meist GS für Giant Slalom verwendet.
| Riesenslalom | gebräuchliche deutsche Bezeichnung |
| Riesentorlauf | vor allem in Österreich verbreitet |
| RTL | deutsche beziehungsweise österreichische Abkürzung |
| Giant Slalom / GS | internationale Bezeichnung und Abkürzung |
Wie läuft ein Riesenslalomrennen ab?
Ein klassischer Riesenslalom besteht aus zwei Durchgängen. Beide Läufe finden normalerweise auf derselben Rennstrecke statt, werden aber unterschiedlich gesetzt. Dadurch müssen sich die Athleten im zweiten Durchgang auf eine neue Torfolge einstellen.
Die Laufzeiten werden addiert:
Zeit aus dem ersten Durchgang + Zeit aus dem zweiten Durchgang = Gesamtzeit
Gewonnen hat der Athlet mit der niedrigsten Gesamtzeit. Ein Torfehler, das Auslassen eines Tores oder ein Regelverstoß kann zur Disqualifikation führen.
Vor jedem Durchgang dürfen die Rennläufer den Kurs besichtigen. Dabei fahren sie nicht mit Renngeschwindigkeit durch die Tore, sondern analysieren unter anderem:
- Torabstände und Rhythmuswechsel
- Geländekuppen und Übergänge
- steile und flachere Streckenabschnitte
- mögliche Fahrlinien
- Schneebeschaffenheit und Pistenhärte
- kritische Tore und schwierige Kombinationen
➡ Eine gute Kursbesichtigung ist ein wichtiger Bestandteil der Rennvorbereitung.
Wie sind die Tore im Riesenslalom aufgebaut?
Ein Riesenslalomtor besteht aus vier Kippstangen und zwei Torflaggen. Die Tore werden abwechselnd in Rot und Blau gesetzt. Der Rennläufer muss die vorgeschriebene Torlinie mit beiden Skispitzen und beiden Füßen korrekt passieren.
Nach den FIS-Regeln ist ein Riesenslalomtor grundsätzlich zwischen vier und acht Metern breit. Zwischen den nächstgelegenen Stangen zweier aufeinanderfolgender Tore muss ein Mindestabstand eingehalten werden.
Die Anzahl der Richtungsänderungen richtet sich nicht nach einer festen Torzahl, sondern unter anderem nach dem Höhenunterschied der Strecke. Nach den internationalen Regeln wird der Kurs anhand eines vorgegebenen Prozentbereichs des Höhenunterschieds gesetzt.
Ein Kurssetzer gestaltet den Lauf im Rahmen des Reglements. Dabei müssen unter anderem Gelände, Sicherheit, Rhythmus, Geschwindigkeit und sportliche Herausforderung berücksichtigt werden.
Höhenunterschied und Streckenlayout
Bei Weltcup, Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen gelten für den Riesenslalom festgelegte Höhenunterschiede:
| Männer | 250 bis 450 m |
| Frauen | 250 bis 400 m |
Für andere Wettbewerbsebenen und Nachwuchsklassen können abweichende Vorgaben gelten. Maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung der Internationalen Skiwettkampfordnung der FIS.
Das Streckenlayout kann verschiedene Elemente enthalten:
- offene Tore für lange Kurven
- enger gesetzte Passagen
- Rhythmuswechsel
- Geländekuppen
- steile Hänge
- flache Gleitpassagen
- versetzte Tore und Übergänge
Ein guter Kurs verlangt nicht an jeder Stelle denselben Kurvenradius. Die Athleten müssen ihre Linie und Belastung an Gelände und Torfolge anpassen.
Startnummern im ersten Durchgang
Die Startreihenfolge im ersten Durchgang richtet sich bei internationalen Rennen nach der jeweiligen Rangliste und den geltenden Wettbewerbsregeln. Im Weltcup spielt dabei die World Cup Start List, kurz WCSL, eine wichtige Rolle.
Die bestplatzierten Athleten bilden eine bevorzugte Startgruppe. Die Startnummern innerhalb dieser Gruppe werden nach den jeweils gültigen Regeln vergeben beziehungsweise ausgelost. Nachfolgende Athleten erhalten ihre Nummern auf Grundlage der Rangliste und weiterer Vorgaben.
Eine frühe Startnummer kann bei einer harten und frisch präparierten Piste von Vorteil sein. Mit jedem Fahrer können Spuren, Löcher und unruhige Stellen entstehen. Eine spätere Nummer ist jedoch nicht grundsätzlich schlechter. Bei Neuschnee, Nebel oder wechselndem Wetter können sich die Bedingungen im Verlauf des Rennens auch verbessern.
➡ Der Einfluss der Startnummer hängt stark von Schnee, Wetter und Streckenpräparation ab.
Startreihenfolge im zweiten Durchgang
Im alpinen Weltcup qualifizieren sich beim Riesenslalom normalerweise die 30 schnellsten Athleten des ersten Durchgangs für den zweiten Lauf. Sie starten in umgekehrter Reihenfolge ihres Zwischenergebnisses.
Das bedeutet:
- Platz 30 des ersten Durchgangs startet als Erster.
- Platz 29 startet als Zweiter.
- Die Reihenfolge wird bis zum Führenden fortgesetzt.
- Der Schnellste des ersten Durchgangs startet als Letzter der qualifizierten Athleten.
Durch diese Regel bleibt das Rennen bis zum Schluss offen. Gleichzeitig müssen die bestplatzierten Fahrer häufig auf einer stärker beanspruchten Piste antreten.
Bei Weltmeisterschaften, Olympischen Spielen, Nachwuchsrennen und anderen Wettbewerbsebenen können abweichende Qualifikations- und Startregeln gelten.
Welche Ski werden im Riesenslalom verwendet?
Riesenslalom-Rennski sind länger und besitzen einen größeren Radius als Slalomski. Dadurch sind sie auf längere, schnellere Kurven und hohe Belastungen ausgelegt.
Typische Merkmale eines Riesenslalom-Rennskis sind:
- großer nomineller Radius
- hohe Torsionssteifigkeit
- sportlicher und kraftvoller Flex
- stabile Konstruktion für hohe Geschwindigkeiten
- ausgeprägte Vorspannung
- schmale Skimitte
- Rennplatte und leistungsorientierte Bindung
Der große Radius bedeutet nicht, dass der Ski nur Kurven mit exakt diesem Wert fahren kann. Durch Aufkantwinkel, Belastung und Durchbiegung verändert sich der tatsächlich gefahrene Kurvenradius.
Details zur geometrischen Bedeutung behandelt der separate XSPO-Lexikonartikel „Radius beim Ski“.
Aktuelle FIS-Bestimmungen für Riesenslalom-Ski
Für die Saison 2025/26 gelten auf dem höchsten internationalen Wettkampfniveau – unter anderem Weltcup, Weltmeisterschaften und Olympische Winterspiele – folgende Mindest- beziehungsweise Höchstwerte:
| Mindestlänge | 188 cm | 193 cm |
| Mindest-Radius | 30 m | 30 m |
| Maximale Mittelbreite | 65 mm | 65 mm |
| Maximale Schulterbreite | 103 mm | 103 mm |
| Maximale Standhöhe des Systems | 50 mm | 50 mm |
Für niedrigere FIS-Ebenen, Nachwuchsklassen und Masters gelten teilweise andere Werte. Außerdem können sich Vorgaben zwischen Saisons ändern. Vor einem offiziellen Renneinsatz muss deshalb immer das aktuelle Reglement geprüft werden.
Ein im Handel als „GS“, „Race GS“ oder „Riesenslalom“ bezeichneter Ski erfüllt nicht automatisch die FIS-Anforderungen. Viele sportliche Racecarver orientieren sich optisch und fahrtechnisch am Rennsport, besitzen aber einen kleineren Radius und eine alltagstauglichere Länge.
➡ Ein Racecarver für Freizeitfahrer ist nicht dasselbe wie ein homologierter FIS-Riesenslalomski.
Unterschied zwischen Riesenslalom und Slalom
| Torabstände | eng | größer und offener |
| Kurven | sehr kurz und schnell aufeinanderfolgend | mittlere bis lange, flüssigere Kurven |
| Geschwindigkeit | niedriger | höher |
| Rennski | kurz und stark tailliert | länger und mit größerem Radius |
| Stangentechnik | direkter Kontakt mit einzelnen Kippstangen | Durchfahren von Toren mit Panels |
| Fahrstil | schnelle Richtungswechsel | hoher Kantendruck und längere Beschleunigungsphasen |
Beide Disziplinen verlangen präzise Technik. Im Slalom stehen Reaktionsgeschwindigkeit und sehr schnelle Beinbewegungen im Vordergrund. Im Riesenslalom sind hohe Kräfte, stabile Kurvenführung und die Erhaltung der Geschwindigkeit besonders wichtig.
Unterschied zwischen Riesenslalom und Super-G
Der Super-G gehört im Gegensatz zum Riesenslalom zu den Speeddisziplinen. Die Tore stehen weiter auseinander, die Strecke besitzt einen größeren Höhenunterschied und die Geschwindigkeiten sind höher.
Ein weiterer wichtiger Unterschied: Der Riesenslalom besteht normalerweise aus zwei Durchgängen mit vorheriger Kursbesichtigung. Beim Super-G gibt es nur einen Rennlauf. Die Athleten dürfen die Strecke vor dem Start besichtigen, aber keinen Trainingslauf auf dem gesetzten Kurs absolvieren.
| Kategorie | technische Disziplin | Speeddisziplin |
| Rennläufe | normalerweise zwei | einer |
| Torabstände | kleiner | größer |
| Geschwindigkeit | hoch | noch höher |
| Ski | kürzer und kleinerer Radius | länger und größerer Radius |
Bekannte Riesenslalom-Strecken
Mehrere Weltcup-Strecken sind besonders eng mit dem Riesenslalom verbunden:
- Chuenisbärgli in Adelboden: bekannt für den steilen Zielhang und technisch anspruchsvolle Übergänge
- Gran Risa in Alta Badia: eine steile und häufig sehr harte Rennpiste in den Dolomiten
- Rettenbachferner in Sölden: traditioneller Austragungsort eines frühen Weltcup-Riesenslaloms
- Podkoren in Kranjska Gora: technisch anspruchsvolle Strecke mit wechselndem Gelände
- Planai in Schladming: bekannte Rennstrecke, die auch für Riesenslalom-Wettbewerbe genutzt wird
Die tatsächlichen Austragungsorte können sich zwischen den Weltcup-Saisons ändern.
Prägende Athleten im Riesenslalom
Der Riesenslalom wurde über verschiedene Generationen hinweg von zahlreichen erfolgreichen Rennläufern geprägt. Zu den bekannten Namen gehören unter anderem Ingemar Stenmark, Vreni Schneider, Alberto Tomba, Deborah Compagnoni, Michael von Grünigen, Ted Ligety, Marcel Hirscher, Tessa Worley, Mikaela Shiffrin, Federica Brignone und Marco Odermatt.
Rekordlisten und aktuelle Siegstatistiken verändern sich laufend. Für dauerhaft gültige Ergebnisse sollten deshalb die offiziellen Datenbanken und Ergebnislisten der FIS verwendet werden.
Häufige Missverständnisse
- „Riesenslalom liegt offiziell zwischen Technik- und Speeddisziplin.“ Nein. Riesenslalom und Slalom werden beide als technische Disziplinen eingeordnet.
- „Jeder GS-Ski ist ein FIS-Rennski.“ Nein. Viele Racecarver tragen eine GS-orientierte Bezeichnung, erfüllen aber nicht die aktuellen FIS-Maße.
- „Ein 30-Meter-Ski fährt immer einen Radius von 30 Metern.“ Nein. Der tatsächliche Kurvenradius verändert sich durch Aufkanten, Belastung und Fahrtechnik.
- „Im zweiten Durchgang starten immer nur 30 Fahrer.“ Das gilt typischerweise für den Weltcup. Bei anderen Wettbewerben können abweichende Regeln gelten.
- „Eine frühe Startnummer ist immer besser.“ Nein. Der Vorteil hängt von Wetter, Schnee und Pistenentwicklung ab.
FAQ
Was ist der Riesenslalom?
Der Riesenslalom ist eine technische Disziplin im alpinen Skirennsport. Die Athleten durchfahren einen durch rote und blaue Tore vorgegebenen Kurs. Die Kurven sind länger und die Geschwindigkeit ist höher als beim Slalom.
Ist Riesentorlauf dasselbe wie Riesenslalom?
Ja. Riesentorlauf ist vor allem die in Österreich gebräuchliche Bezeichnung für den Riesenslalom. Die Abkürzung lautet häufig RTL, international GS.
Wie viele Durchgänge hat ein Riesenslalom?
Ein klassischer Riesenslalom wird normalerweise in zwei Durchgängen ausgetragen. Die Zeiten beider Läufe werden zur Gesamtzeit addiert.
Wer startet im zweiten Durchgang zuerst?
Im Weltcup qualifizieren sich normalerweise die 30 Schnellsten des ersten Laufs. Platz 30 startet im zweiten Durchgang zuerst, der Führende des ersten Laufs zuletzt.
Wie lang sind Riesenslalom-Ski?
Auf höchstem FIS-Niveau müssen Riesenslalom-Ski in der Saison 2025/26 bei den Frauen mindestens 188 cm und bei den Männern mindestens 193 cm lang sein. Für andere Rennklassen gelten teilweise andere Vorgaben.
Welchen Radius haben FIS-Riesenslalom-Ski?
Bei Frauen und Männern beträgt der vorgeschriebene Mindestradius auf höchstem internationalen Niveau 30 Meter. Der tatsächlich gefahrene Kurvenradius kann durch Aufkantwinkel und Durchbiegung kleiner sein.
Kann ein Freizeitfahrer einen FIS-Riesenslalomski fahren?
Grundsätzlich ja, ein solcher Ski verlangt jedoch viel Kraft, Geschwindigkeit, Platz und eine sehr saubere Technik. Für die meisten Freizeitfahrer ist ein kürzerer Racecarver mit kleinerem Radius kontrollierbarer und vielseitiger.
Quellen und weiterführende Links
- FIS: Specifications for Alpine Competition Equipment 2025/26 (PDF)
- FIS: International Competition Rules Alpine Skiing – aktuelle Ausgabe
- Aktuelle Ergebnislisten und Weltcup-Datenbank der International Ski and Snowboard Federation
